Oh die Liebe Sprache – Deutsch, Englisch oder einfach Denglish?

Vor fast zehn Jahren bin ich in Australien angekommen – laut Unizeugnis war mein Englisch auch „gut“.

Aber als die „Aussies“ („Ossis“) – wie man die Australier so liebevoll nennt – erstmal richtig loslegten, konnte ich auch nur nett grinsen und schoen nicken und auf’s Beste hoffen. Also mit dem schoenen „britischen Englisch“ aus der Schule und von der Uni hatte es nicht viel zu tun. Die Australier sind Weltmeister im Abkuerzen und Kosenamen verteilen. Je kuerzer Dein Name abgekuerzt wird, desto lieber haben sie Dich – haha, so wurde aus Alexandra gern mal Al („Ael“). Jeder ist ein „mate“ (Kumpel) oder Maedels werden auch gern „darl“ (Liebling) genannt, auch wenn man die Leute, die einen so nennen noch NIE in seinem Leben gesehen hat.

Ich war es ja von meinem Dad gewoehnt, ab und an mal nicht alles zu verstehen, wenn er mal auf Plattdeutsch losschnackte, aber er verstand mich wenigstens auf Hochdeutsch. . . Die ersten Wochen in Australien waren sehr anstrengend,  ich war abends regelrecht erschoepft von dem ganzen Kauderwelsch in meinem Kopf.

Einen Tag kam ich ganz verstoert nach Hause und sagte zu meinem Freund (jetziger Mann) „Sag mal, wieso nennen die mich alle „darl“ und fragen mich wie’s mir geht, wenn es die sowieso nicht interessiert?“. Er guckte mich ganz perplex an und lachte sich kaputt! Es ist naemlich ganz normal, dass man in ein Geschaeft geht und mit „Hi darl! How are you going?“ begruesst wird. Als ich dann grad Luft holte, um der Dame so ganz im deutschen Stil meine Situation zu schildern, begruesste sie schon die naechste Kundin mit den gleichen Worten. Und Mensch fand ich das unfreundlich!

Man gewoehnt sich an alles und lernt auch schnell, wenn man die englische oder sollte ich lieber „australische“ Sprache im Alltag erlebt. Ich wusste, dass ich es durch’s Groebste geschafft hatte, als ich ohne Herzrasen das Telefon abnahm und die Nachrichten im Fernsehen verstand. Wir sprechen Englisch und Deutsch zu Hause und ab und zu schleicht sich ein wenig „Denglish“ ein – Saetze werden in einer Sprache angefangen und in der anderen zu Ende gefuehrt oder es werden gern einfach mal Woerter der anderen Sprache eingeworfen.

Jahre spaeter organisierte ich dann unsere Hochzeit in Deutschland. . . ganz nervoes rief ich den damals schon pensionierten Pastoren an, wollte einen guten Eindruck machen, weil er extra fuer uns aus dem Ruhestand kam. Es klingelte und klingelte, er meldete sich beim Namen und ich sagte „Guten Tag Herr Pastor, wie geht es Ihnen denn?“. Stille am anderen Ende, dann ein Raeuspern „Warum interessieren Sie sich fuer meinen Gesundheitszustand?“. Ich lief nur rot an und konnte mich vor Lachen kaum halten nachdem das Gespraech beendet war.

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