Na klar werden wir unsere Kinder zweisprachig erziehen! Oder doch nicht!?

Liegt doch auf der Hand, ich bin Deutsche, da muessen Kinderbuecherdie Kinder doch auch die Sprache lernen. Hmmmm…..aber die Grosseltern, Tanten, Onkels, Freunde, die Deutsch sprechen sind alle auf der anderen Seite der Welt . . . ich kann nur sagen, es ist nicht so einfach wie gedacht.

Als ich erst in Australien ankam hatten wir ja den „deutschen Sonntag“. Alle anderen Tage wurde Englisch gesprochen, damit ich irgendwann das australische Kauderwelsch mal verstehe – „Mission accomplished“ wie man so schoen sagt! Zehn Jahre spaeter und „Denglish“ ist manchmal das einzige was aus meinem Mund kommt, wenn ich versuche Deutsch zu sprechen, weil mir einfach die richtigen deutschen Worte nicht mehr einfallen. Einige Dinge kann ich auch nur auf Deutsch oder nur auf Englisch erklaeren, weil ich den Wortschatz in der anderen Sprache noch nie gebraucht habe. Ich traeum auf Englisch und fluche (nee, NIE!) auf Englisch, also alles was so zuerst in den Kopf schiesst ist heutzutage auf Englisch. Bei unseren Deutschlandbesuchen muss ich immer lachen, wenn ich Leute Sprichwoerter benutzen hoere. . . eines meiner lieblingswiederaufgeschnappten Woerter ist: Futschikato! das benutzt man hier nicht viel ;-).

Als wir dann nun unser erstes Kind bekommen haben, hab ich auch brav mit ihm auf Deutsch gesprochen. Dann war er zwei und hat noch immer nicht viel gesagt. Als typische erstmalige Mami, hab ich mir dann den Kopf zerbrochen woran das wohl liegen mag. „Vielleicht ist der Kleine ja einfach nur ganz verwirrt mit den Sprachen?!“ frag ich den Arzt, der antwortet „Bei zweisprachigen Kindern dauert es immer laenger, machen Sie sich keine Sorgen“. Aber klar hab ich mir Sorgen gemacht. Ich waere auch verwirrt, wir gehen in die Bibliothek und singen englische Kinderlieder, mit anderen Leuten redet Mama auch Englisch und wenn wir allein sind, quatscht sie immer so komisch! Naja, wie es meistens so ist, hab ich mir umsonst Sorgen gemacht, der Zwerg ist nun drei und redet und redet und redet. Meistens auf Englisch, aber „wichtige“ Dinge wie „Kann ich bitte einen Keks haben?“ oder „Oh Schokolade!“ und „Futschikato“ kommen einfach von der Zunge. 😉

Wir haben das Glueck das die kleine Bibliothek um die Ecke sogar ein paar deutsche Kinderbuecher hat. Ich kann den Kleinen immer nur schwer davon ueberzeugen deutsche Buecher mitzunehmen. Aber Mama nimmt sie trotzdem mit, waehrend er sich tausende von Dinosauerierbuechern aussucht. Letzte Woche sagte er „Mama, koennen wir zur Bibliothek gehen, ich moechte neue Dinobuecher?!“ – ich antworte „Dann musst Du aber einige Buecher zurureckgeben, damit wir neue ausleihen koennen“, worauf er (3) antwortet:

„Wir koennen alle Deine deutschen Buecher zurueckbringen!“

Ich musste nur lachen und erklaerte ihm dann, dass er naechste Woche mit Deutschunterricht anfangen wird, worauf er sagte:

„Nee Mama, das koennen wir ueben wenn ich aelter bin!“

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4 Gedanken zu „Na klar werden wir unsere Kinder zweisprachig erziehen! Oder doch nicht!?

  1. Das finde ich wirklich interessant. Wir haben ja auch überlegt, wie wir es machen könnten, wenn. . . Natürlich soll unser Nachwuchs auch Deutsch sprechen. Ich werde auch eine ganze Menge deutsche Bücher hier herschleppen, wenn unsere Wohnung erstmal fertig ist. Aber ich könnte mir natürlich auch vorstellen, dass das liebe Kind dann an Deutsch gar nicht so interessiert ist.

    Das mit dem Verlusst der deutschen Wörter kenne ich auch. Inzwischen fängt es sogar bei Englisch an (war bis zu meinem Umzug eigentlich unsere Hauptsprache). 🙂

  2. Toi toi toi! Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich so bis zur Pubertaet lustig auf die Zwerge einreden kann und habe erst dann Widerstand erwartet – aber wie ich feststellen musste, weiss man mit drei schon, ob man „komisch“ reden will oder nicht! Wir gehen jetzt einmal die Woche zum „spielerischen“ Sprachunterricht und das macht ihm doch Spass und so ab und an kommt dann doch mal was Deutsches aus seinem Munde. Ich drueck Dir die Daumen!
    Achja und wir haben hier noch so ’nen Nachdruck der Originalausgabe vom Struwelpeter – meine Australier lachen sich kaputt, wie morbide die Geschichten sind!

  3. Oh, der Struwelpeter. . . davor hatte ich selbst als Kind richtig Angst. Vor allem vor dem Daumenabschneider. *fürcht* Aber Sprachunterricht lässt sich wohl nicht vermeiden. Ich kann mir auch vorstellen, dass man als Mutter mit dem lieben Kind irgendwann den Weg des geringsten Widerstandes geht. Vielleicht haben wir dahingehend Glück, dass Deutschland, wo sie so komisch sprechen, von Italien aus viel leichter zu erreichen ist als von Australien.

    Natürlich kann man überall leben, wo man sich eine Familie aufbaut, aber ich stelle mir das in Australien ungleich schwerer vor. Hast Du mal eine richtige Heinwehkrise erlebt?

    • Haha, ja beide meine Jungs sind Daumenlutscher. . . mal sehen wie lange noch 😉
      Heimweh hatte ich am Anfang ein bisschen als es mit der Arbeit nicht so recht klappte, aber das hat sich ja alles relativ schnell (nach nem Jahr) geregelt und seitdem nicht mehr. Klar vermisst man Freunde und Familie, aber ich koennte mir nicht vorstellen zurueck zu ziehen. Wie lange bist Du denn schon in Italien? Moechtest Du nochmal zurueck?

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